Trickfilm Made In Austria

Tom Hanks ist ihnen schon Modell gestanden, österreichische Schauspielgrößen haben ihren Figuren ihre Stimmen geliehen und der bekannte Trickfilmregisseur Andreas Hykade zählt sie zum Spannendsten das es derzeit in Österreichs Animationsfilmwelt gibt.
Conrad Tambour, Johannes Schiehsl und Benjamin Swiczinsky haben 2011 das Studio „Neuer Österreichischer Trickfilm“ gegründet und verschreiben sich seitdem anspruchsvollen Trickfilmen.

Wie sie das machen, zeigt jetzt die Ausstellung „Animationsfilmkollektive” des „Deutschen Instituts für Animationsfilm” in Dresden.

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    „A Hologram For The King“ – Tom Hanks vor Animationen von „Neuer Österreichischer Trickfilm“ © X-Filme

Es wirkt als wären sie in Deutschland weit bekannter als in ihrer Heimat wenn man den Gesprächen der Gäste der Vernissage lauscht, für die die drei keine Unbekannten sind. „Das kann leicht sein, …“meint Conrad Tambour mit einem leichten Schmunzeln „…der Trickfilm hat in Deutschland und auch dem übrigen Europa einen größeren Stellenwert.” Das macht tatsächlich den Eindruck wenn man sich durch die technischen Sammlungen in Dresden führen lässt. Auf großer Fläche werden hier in einer Dauerausstellung die Schätze der ostdeutschen Animationsfilmszene gezeigt, die unter anderem das bekannte Duo Filopat & Patafil hervorgebracht hat.

Der Besucher kann eine große Anzahl an Exponaten bestaunen, darunter liebevoll gestaltete Puppen mit denen animiert wurde, kleine Sets auf denen ein Ofen oder eine kleine Waschmaschine für die Charaktere zu sehen ist. Weiters sieht man die Technik mit der damals ein Trickfilm produziert wurde und eine Menge an sogenannter Cels, eine Folie auf die eine Trickfilmfigur gezeichnet ist. „Vierundzwanzig solcher Folien mussten per Hand gezeichnet und bemalt werden für eine Sekunde Film.” erklärt Kuratorin Nadja Rademacher. „All das wurde in den 90er Jahren vor der Zerstörung gerettet als nach der Wende die ostdeutsche Animationsszene zusammenbrach. Die meisten Exponate sind aus dem legendären DEFA Studio, das in der DDR von 1955 bis 1990 Trickfilme produzierte. Großen Wert legen wir aber auch auf das Kapitel zu aktuellen Produktionen ehemaliger DEFA-Beschäftigten.”

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Von Hieronymus Bosch inspirierte Animationspuppen der ehemaligen DEFA Studios.

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Kuratorin Nadja Rademacher mit einer von hunderten Cels die für „Alarm im Kasperltheater” gemalt wurden.

In diesen heiligen Hallen ausstellen zu dürfen ist ein großes Privileg.” meint Johannes Schiehsl während er auf die Exponate zeigt. Ein Teil dieser Hallen zeigt die Ausstellung „Animationsfilmkollektive”, die die Arbeiten von Studios aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigt. Hier zeigt das Studio „Neuer Österreichischer Trickfilm” Arbeiten aus den Jahren 2010 bis 2017 und auch einige Jugendsünden. „Mein erster Trickfilm entstand heimlich, fast illegal.” erzählt Benjamin Swiczinsky mit einem Lächeln. „Meine Schwester war damals Studentin an der Universität für angewandte Kunst in Wien und hat mich in der Nacht heimlich in die Räume der Trickfilmklasse geschmuggelt, wo ich auf der alten analogen Technik meinen ersten Animationsfilm „Max Monkey” hergestellt habe.”

Nicht ganz so alt ist der Film „Finitio” der die Diplomarbeit von Johannes Schiehsl und Conrad Tambour an der Graphischen Bundes- Lehr- und Versuchsanstalt in Wien war. „Wir haben uns damals neben dem Graphik-Design-Studium, das wir dort absolviert haben, autodidaktisch mit Trickfilm beschäftigt und konnten dank der toleranten Politik der Schule unser Diplom mit einem Animationsfilm machen.” erklärt Johannes Schiehsl.

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Der seinerzeit auch im „Westen” gefragte ehemalige DEFA-Animator und Regisseur Christian Biermann bestaunt Zeichnungen von „NÖT”.

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„Wir haben ein Kollektiv gegründet um den narrativen Animationsfilm in Österreich zu etablieren und unsere Kräfte zu bündeln.” NÖT 2017

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Skizzenbücher Benjamin Swiczinsky, Johannes Schiehsl
© NÖT 2017

Zu den neueren Werken, die gezeigt werden, gehört die Introsequenz von Tom Tykwers „A Hologram For The King” für den das Studio Hollywoodstar Tom Hanks karikiert und zum Tanzen gebracht hat. Auf die Frage wie man zu so einem Auftrag kommt, meint Benjamin Swiczinsky: „Das Telefon hat geklingelt und Tom Tykwer war dran.”
Also scheint was Wahres dran an der These, dass die Jungs im Ausland schon besser vernetzt sind als im Inland. „Durch unser Studium an der Filmakademie Baden-Württemberg haben wir ein sehr tolles Netzwerk, auf das wir zurückgreifen können…” meint Conrad Tambour „aber wir haben uns zum Ziel gesetzt auch die österreichische Szene zu verbinden und das Land in die europäische Produktionslandschaft des Trickfilms zu integrieren.” „Hier haben wir auch schon einiges verändern und zum Positiven bewirken können. Derzeit arbeiten wir an unserem ersten abendfüllenden Trickfilm mit Unterstützung der österreichischen Filmförderung. Es hat sich in der Filmwirtschaft und der Szene schon einiges getan, aber es bleiben große Herausforderungen.” bemerkt Johannes Schiehsl.

Dass der Stellenwert des Trickfilms in Österreich tatsächlich noch ausbaufähig ist, wird klar als die drei einem perplexen Publikum erklären, dass „in Österreich für alle Filme, die im Fernsehen ausgestrahlt werden, von der zuständigen Verwertungsgesellschaft Tantiemen ausgezahlt werden, außer für Animationsfilme.”
Dass Trickfilme nicht auf Bäumen wachsen, sondern harte und filigranste Arbeit sind, wird in der Ausstellung mehr als deutlich. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Die Ausstellung ist noch bis zum 17.9.2017 zu sehen.

Deutsches Institut für Animationsfilm
Technische Sammlung Dresden
DEFA-Stiftung

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